Drei Mercedes-Benz Klassiker und mehr als 20 Jahre Entwicklung

Mercedes-Benz W116, W126 und W140 Klassiker bei Schlinkmann Classic

Es gibt Fotos von Autos. Und es gibt Fotos, bei denen man automatisch länger hinsieht.

Dieses gehört zur zweiten Kategorie.

In unserer Halle stehen drei Mercedes-Benz. Sie wirken, als kämen sie aus völlig unterschiedlichen Welten: vorne der W116, in der Mitte der W126, dahinter der W140.

Tatsächlich erzählen sie gemeinsam eine der interessantesten Entwicklungsgeschichten der Mercedes-Benz Oberklasse.

1972, 1979, 1991.

Zwischen dem ältesten und dem jüngsten Fahrzeug liegen gerade einmal 19 Jahre. Und trotzdem technisch Welten dazwischen.

Auf dem Foto stehen sie in der Reihenfolge W116 vorne, W126 in der Mitte und W140 hinten (r > l) vom ältesten zum jüngsten Fahrzeug.

Und genau deshalb lohnt sich der genauere Blick.

Denn die S-Klasse wurde nicht einfach von Generation zu Generation größer oder luxuriöser. Mercedes-Benz perfektionierte immer wieder die Antwort auf dieselbe Frage weiter:

Was muss ein Automobil leisten, wenn Komfort, Sicherheit, Technik und Langstreckentauglichkeit keine Kompromisse mehr sein sollen?

W116: Die S-Klasse bekommt ihren Namen

1972 präsentierte Mercedes-Benz die Baureihe 116. Es war nicht die erste große Luxuslimousine aus Stuttgart. Die Geschichte reicht weiter zurück, bis zu den Vorgängern W108 und W109. Aber erst mit dem W116 wurde die Bezeichnung „S-Klasse" zum offiziellen Modellnamen – im September 1972 auf der IAA in Frankfurt.

Und Mercedes beließ es nicht bei einem neuen Namen.

Der W116 war ein Auto, bei dem Sicherheit nicht mehr nur aus einzelnen Komponenten bestand. Sicherheit wurde als Gesamtkonzept gedacht.

Der Tank saß beispielsweise kollisionsgeschützt oberhalb der Hinterachse. Das Vierspeichen-Sicherheitslenkrad mit Pralltopf war Teil des Sicherheitskonzepts. Ebenso die Konstruktion der Seitenscheiben. Und die auffällig gerippten Heckleuchten. Letztere waren nicht bloß ein Stilmittel: Die gerippte Oberfläche hielt Schmutz und Spritzwasser von der Leuchtfläche fern. Das erhielt die Sichtbarkeit im Straßenverkehr.

Das klingt heute nach einer Kleinigkeit.

In den 1970er-Jahren war es genau die Art von Detail, mit der Mercedes-Benz Sicherheit und Alltagstauglichkeit direkt in die Konstruktion einbaute.

Das vielleicht wichtigste Detail steckt allerdings im Bremssystem

Ab Herbst 1978 kam eine technische Premiere, die die Automobilwelt nachhaltig verändern sollte:

ABS.

Das Antiblockiersystem entstand gemeinsam mit Bosch. Elektronisch gesteuert, verhinderte es das Blockieren der Räder bei einer Vollbremsung. Das Fahrzeug blieb lenkbar – ein Hindernis ließ sich also selbst in einer Notbremsung noch umfahren.

Mercedes-Benz bot ABS in der Baureihe 116 zunächst als Sonderausstattung an. Der Aufpreis betrug damals 2.217,60 DM.

Zunächst blieb das System eine kostenpflichtige Option. Zwei Jahre später war ABS auf Wunsch in sämtlichen Mercedes-Benz Personenwagen erhältlich. Seit 1992 gehört ABS in allen Mercedes-Benz Fahrzeugen zur Serienausstattung.

Und genau solche Details zeigen, warum die drei Fahrzeuge auf dem Foto mehr sind als drei alte Mercedes.

Sie markieren technische Entwicklungsschritte.

Der W116 konnte deutlich mehr, als seine Optik vermuten lässt

Drei Generationen S-Klasse (Detailaufnahme Seite/Kotflügel)

Der W116 wirkt heute vergleichsweise klassisch. Viel Chrom, große Glasflächen, klare Linien.

Technisch war er alles andere als rückständig.

Zur Modellpalette des W116 gehörte auch ein Motor, mit dem 1977 das Dieselzeitalter in der Luxusklasse begann: der 300 SD. Vorgestellt 1977 und zunächst nur für den nordamerikanischen Markt gedacht. Der Marktstart folgte im Mai 1978.

Der 300 SD war dabei kein gewöhnlicher Diesel. Er war der weltweit erste Serien-Pkw mit Turbodieselmotor. Ein 3,0-Liter-Fünfzylinder (OM 617) mit Abgasturbolader und 115 PS.

Am oberen Ende der Motorenpalette stand zudem der 450 SEL 6.9.

Schon die Bezeichnung verrät: Hier wurde nicht einfach ein größerer Motor in eine normale S-Klasse geschraubt. Als Topmotorisierung der Baureihe erhielt dieses Modell eine technisch aufwendige hydropneumatische Federung. Enorme Motorleistung traf auf den Komfort, den man von einer S-Klasse erwartete.

Der W116 war damit bereits das, was die S-Klasse später immer stärker werden sollte:

Ein technisches Schaufenster dessen, was Mercedes-Benz zu dieser Zeit für machbar hielt.

Insgesamt wurden von 1972 bis 1980 rund 473.000 Einheiten des W116 produziert.

W126: Als Mercedes-Benz die S-Klasse neu denkt

1979 kommt der W126, vorgestellt im September auf der IAA in Frankfurt.

Und hier verändert sich die Philosophie sichtbar.

Der W116 war noch stark von der klassischen Mercedes-Formensprache geprägt. Der W126 sieht dagegen aus, als hätte jemand die Kanten der 1970er-Jahre genommen und systematisch hinterfragt.

Chrom wird reduziert.

Flächen werden glatter.

Die Karosserie wird aerodynamischer.

Und plötzlich spielen Begriffe wie Luftwiderstand, Gewicht und Effizienz bei einer S-Klasse eine zentrale Rolle.

Mercedes-Benz selbst nennt die aerodynamisch optimierte Form und die konsequente Gewichtsreduzierung als zentrale Entwicklungsziele des W126.

Das ist bemerkenswert. Denn eine S-Klasse war auch zu dieser Zeit alles andere als ein Leichtgewicht.

Die Ingenieure mussten mehr Sicherheit und mehr Ausstattung mit reduziertem Gewicht verbinden.

Dafür kamen unter anderem neu entwickelte Leichtmetall-V8-Motoren zum Einsatz.

Das Ende der Chromstoßstange

Ein Detail, das heute fast selbstverständlich aussieht, war damals ziemlich radikal:

Der W126 war der erste Mercedes-Benz Personenwagen, der die traditionellen Chromstoßfänger durch verformbare Kunststoff-Stoßfänger ersetzte.

Heute sieht man darin hauptsächlich das typische W126-Design.

Damals war es ein ziemlich deutlicher Bruch.

Die Stoßfänger waren mehr als ein Gestaltungselement. Sie waren verformbar und Teil des neuen Sicherheits- und Designkonzepts.

Das Ergebnis ist eine Karosserie, die bis heute extrem geschlossen wirkt.

Und genau hier beginnt auch der Einfluss von Bruno Sacco.

Sacco prägte die Formensprache des W126 entscheidend. Sein Ansatz: Die Identität einer Mercedes-Modellreihe sollte von Generation zu Generation erkennbar bleiben. Das Vorgängermodell sollte nach Erscheinen des neuen nicht plötzlich alt wirken.

Beim W126 ist das hervorragend zu sehen.

Der Wagen ist eindeutig Mercedes.

Aber gleichzeitig war er 1979 eine deutliche Abkehr von der bisherigen Form.

1981: Ein Luftsack verändert die Automobilgeschichte

Wenn man beim W126 nur über Design und Motoren spricht, verpasst man einen der wichtigsten Gründe für seinen historischen Stellenwert.

Der Fahrerairbag feierte 1981 im W126 seine Weltpremiere im Serienfahrzeug. Mercedes-Benz kombinierte ihn mit einem Gurtstraffer für den Beifahrer.

Der Airbag war dabei ausdrücklich als Ergänzung des Sicherheitsgurts gedacht, nicht als Ersatz. Auf dem Lenkrad stand entsprechend „SRS Airbag" – Supplemental Restraint System, zusätzliches Rückhaltesystem.

In den folgenden Jahren wurde das System schrittweise auf weitere Mercedes-Benz Baureihen ausgeweitet.

Der Beifahrerairbag folgte 1988 – zunächst ebenfalls als Sonderausstattung in der S-Klasse.

Damit zeigt sich eine Entwicklung, die sich durch alle drei Fahrzeuge auf dem Foto zieht:

W116: Das Auto soll die Folgen eines Unfalls durch konstruktive Sicherheitsmaßnahmen möglichst reduzieren.

W126: Passive Sicherheit wird durch neue Rückhaltesysteme wie Fahrerairbag und Gurtstraffer weiterentwickelt.

W140: Elektronische Systeme übernehmen zunehmend Aufgaben der aktiven Sicherheit.

W126 Front

W126 und W140: Warum der Unterschied größer ist, als man denkt

Optisch könnte man sagen:

W116 = kantig

W126 = glatt

W140 = rund und riesig

Technisch ist die Geschichte aber deutlich interessanter.

Der W126 entstand noch in einer Zeit, in der Mechanik, Hydraulik und klassische Fahrzeugelektrik das technische Fundament bildeten.

Der W140 betritt eine andere Welt.

Und genau deshalb ist der Sprung vom W126 zum W140 vielleicht der spannendste der drei.

W140: Als die S-Klasse endgültig zum Technologieträger wird

Im März 1991 feierte die Baureihe 140 ihre Weltpremiere auf dem Genfer Auto-Salon. Verkaufsstart war im April desselben Jahres.

Mercedes-Benz wollte diesmal offensichtlich nicht einfach den W126 ersetzen.

Der W140 wurde zum „Mercedes-Benz der Superlative" entwickelt. Großzügigere Dimensionen, hoher technischer Aufwand und maximaler Komfort standen im Mittelpunkt.

Man muss sich nur die drei Fahrzeuge auf dem Foto ansehen.

Der W116 wirkt elegant und vergleichsweise schlank.

Der W126 wirkt flach, gespannt und fast schon streng.

Der W140 steht dagegen wie ein technischer Block in der Halle.

Und diese Masse ist nicht nur Design.

Doppelverglasung: Der W140 macht aus Ruhe ein technisches Konzept

Eines der faszinierendsten Details des W140 sind seine Scheiben.

Die Doppel-Isolierverglasung diente vor allem der akustischen und thermischen Isolierung. Damit wurde der Innenraum noch stärker von den Einflüssen der Außenwelt abgeschirmt.

Für heutige Autos klingt Doppelverglasung nicht spektakulär.

1991 in einer Serienlimousine war sie ein klares Statement:

Die S-Klasse sollte nicht nur fahren. Sie sollte ihre Umgebung möglichst weit draußen lassen.

Und das ist typisch W140.

Beim W126 wurde Komfort bereits sehr konsequent konstruiert.

Beim W140 wird daraus beinahe eine eigene Ingenieursdisziplin.

Der erste V12 in einem Mercedes-Benz Serien-Pkw

Dann kommt die Motorenpalette.

Mit dem W140 hielt der V12 in einen Mercedes-Benz Personenwagen Einzug – der erste Zwölfzylinder der Marke in einem Serien-Pkw überhaupt.

Er war eine von mehreren Motorisierungen für die Baureihe, vom Sechs- über den Acht- bis zum Zwölfzylinder.

An der Spitze stand ab 1991 der 600 SE/600 SEL mit einem 6,0-Liter-Zwölfzylindermotor (M120) – ein absolutes Statement für die damalige Oberklasse. 1993 wurde die Baureihe umbenannt: Aus 600 SE/SEL wurde S 600.

Und genau hier zeigt sich auch, warum man den W140 nicht einfach als „großen W126" bezeichnen sollte.

Der W126 hatte bereits Achtzylinder auf höchstem Niveau.

Der W140 ging darüber hinaus. Der Zwölfzylinder wurde fester Bestandteil der regulären S-Klasse-Modellpalette.

Nicht als exotischer Rennmotor.

Sondern als Kraftquelle für eine Limousine, deren Aufgabe es war, mühelos Geschwindigkeit aufzubauen.

Das verrückte Detail: Der W140 parkte schon fast wie ein modernes Auto

Wer einen W140 kennt, kennt vielleicht die kleinen, ausfahrbaren Peilstäbe an den hinteren Ecken der Karosserie.

Sie halfen dem Fahrer dabei, die Fahrzeugabmessungen beim Rangieren besser einzuschätzen.

PARKTRONIC war dagegen ein separates System. Es arbeitete mit Ultraschallsensoren und warnte den Fahrer optisch und akustisch vor Hindernissen. Ab Mai 1995 gehörte PARKTRONIC bei den beiden Zwölfzylinder-Modellen zur Serienausstattung.

Zum gleichen Zeitpunkt entfielen bei allen S-Klasse-Limousinen die dadurch überflüssig gewordenen Peilstäbe.

Der W116 demonstrierte Ingenieurskunst noch stark mit mechanischen und konstruktiven Lösungen.

Beim W140 nimmt der Umfang elektronisch gesteuerter Systeme nochmals deutlich zu.

Die S-Klasse überwacht sich zunehmend selbst.

Das ist der eigentliche Generationensprung.

1995: ESP hält Einzug in die S-Klasse

Und dann passiert beim W140 erneut etwas historisch Entscheidendes.

ESP.

Mercedes-Benz stellte das Elektronische Stabilitätsprogramm im Mai 1995 vor – zunächst als Serienausstattung im S 600 Coupé. Ab September 1995 war ESP auch für die Achtzylinder-Coupés der Baureihe auf Wunsch erhältlich. In der Folge hielt das System schrittweise auch in weiteren Modellen der Baureihe 140 Einzug.

Das Prinzip ist heute bekannt:

Sensoren erkennen, wenn das Fahrzeug nicht mehr dem vom Fahrer vorgegebenen Kurs folgt. Das System bremst dann gezielt einzelne Räder ab und kann bei Bedarf das Motordrehmoment anpassen.

Für einen Autofahrer im Jahr 1995 war das Hightech.

Heute ist es Alltag.

Genau darin liegt die Bedeutung dieser drei Generationen.

Was beim W116 noch eine spektakuläre Sonderlösung war, wird beim W140 Schritt für Schritt zur Grundlage moderner Fahrzeuge.

Man kann die Entwicklung an konkreten technischen Meilensteinen festmachen.

Für Kenner:

Der W126 ist nicht einfach „der klassische", der W140 nicht einfach „der dicke"

Die beiden Fahrzeuge werden heute oft auf eine Stilfrage reduziert.

W126 = elegant.

W140 = protzig.

Das greift viel zu kurz.

Der W126 steht für eine Phase, in der Mercedes-Benz Aerodynamik, Gewicht, Sicherheit und Effizienz neu austariert.

Der W140 steht für eine Phase, in der Komfort, Elektronik und Sicherheit immer enger zusammenwachsen.

Das erklärt auch, warum der W140 so viel größer wirkt.

Sein Entwicklungsziel war nicht, den W126 möglichst elegant zu kopieren.

Es ging darum, den Anspruch der S-Klasse technisch neu zu definieren.

Drei S-Klassen, drei völlig unterschiedliche Designsprachen

Und dann ist da natürlich die Optik.

W116 – die klassische Interpretation

Chrom, klare Kanten, große Scheinwerfer, aufrechte Proportionen und die gerippten Heckleuchten.

Der W116 sieht nach genau dem aus, was er ist:

eine Luxuslimousine der 1970er-Jahre.

Und gerade deshalb ist er heute so faszinierend.

W126 – die Sacco-Linie

Beim W126 verschwinden viele traditionelle Elemente.

Die Karosserie wird glatter.

Die Kunststoff-Stoßfänger integrieren sich in die Form.

Die berühmten Seitenbeplankungen – liebevoll „Sacco-Bretter" genannt – werden zum Markenzeichen der Mercedes-Benz-Formensprache.

Und obwohl der Wagen deutlich moderner aussieht, bleibt seine Identität sofort erkennbar.

W140 – die Dimension als Gestaltungselement

Der W140 geht wieder einen anderen Weg.

Seine Größe ist nicht zu übersehen.

Die hohe Karosserie, die großzügige Verglasung, die breiten Säulen und die enorme Präsenz machen ihn zu einer S-Klasse, die sich optisch nicht kleinmacht.

Der W140 ist groß – und er steht dazu.

Nice to know: Stoff war bei der S-Klasse keine Seltenheit

Wer sich die Innenräume von W116, W126 oder W140 im Originalzustand ansieht, findet häufig hochwertige Stoff- und Veloursausstattungen.

Mercedes-Benz bot neben Leder über viele Jahre ein breites Spektrum an Stoff- und Veloursbezügen an.

Für heutige Betrachter ist das durchaus überraschend:

Eine hochwertige S-Klasse musste damals keineswegs zwingend mit Leder ausgestattet sein.

Das eigentlich Faszinierende:

Was gleich blieb

Bei allen Unterschieden gibt es etwas, das sich über die drei Generationen erstaunlich konsequent hält.

Nicht die Technik.

Die ändert sich massiv.

Nicht die Karosserie.

Die wird völlig neu gestaltet.

Und auch nicht die Ausstattung.

Die wird von Generation zu Generation umfangreicher.

Was bleibt: die S-Klasse als technologischer Vorreiter.

Der W116 bringt das ABS in die Großserie.

Der W126 bringt den Fahrerairbag als Weltpremiere in ein Serienfahrzeug und verbindet Sicherheit mit Aerodynamik und Gewichtsoptimierung.

Der W140 bringt Elektronik, Doppelverglasung, V12 und später ESP auf ein neues Niveau.

Mercedes-Benz beschreibt dieses Muster selbst: Neuerungen erscheinen zunächst häufig in der Oberklasse und finden später ihren Weg in weitere Modellreihen und schließlich in den allgemeinen Stand der Technik.

Das ist vielleicht der beste Grund, warum diese drei Autos heute nebeneinander gehören.

Was wir an diesen Autos besonders interessant finden:

Für einen Sammler ist die Geschichte eines Autos wichtig.

Für Mechaniker beginnt sie aber erst richtig, wenn das Fahrzeug nach Jahrzehnten noch auf der Bühne steht.

Denn ein W116, W126 oder W140 wird nicht dadurch zum guten Klassiker, dass er auf Fotos gut aussieht.

Entscheidend ist, was man nicht sieht.

Wie wurde das Fahrzeug gewartet?

Welche Arbeiten wurden bereits durchgeführt?

Ist die Technik original oder irgendwann „irgendwie" repariert worden?

Wie sieht es mit Korrosion aus?

Sind Fahrwerk, Bremsanlage, Lenkung und Nebenaggregate in dem Zustand, den man bei einem solchen Fahrzeug erwartet?

Und vor allem:

Wurde das Auto über die Jahre erhalten – oder nur am Leben gehalten?

Ein gepflegter W116 erzählt seine Geschichte anders als ein vernachlässigtes Exemplar.

Ein W126 mit sauber dokumentierter Historie ist etwas völlig anderes als ein Fahrzeug, das jahrelang nur gefahren und anschließend kosmetisch aufbereitet wurde.

Beim W140 kommt eine zusätzliche Komplexität hinzu: Mehr Systeme bedeuten mehr Komponenten, die nach drei Jahrzehnten Aufmerksamkeit verlangen.

Drei Generationen, die man nicht miteinander verwechseln sollte

Vielleicht ist genau das die schönste Erkenntnis dieses Fotos:

Der W116, W126 und W140 sehen nebeneinander so unterschiedlich aus, dass man fast vergisst: Sie hatten dieselbe Aufgabe.

Aber sie zeigen sehr präzise, wie sich das Verständnis von Luxusautomobilen innerhalb von nur zwei Jahrzehnten verändert hat.

Der W116 wollte vor allem sicher, komfortabel und technisch überlegen sein.

Der W126 wollte zusätzlich effizienter und aerodynamisch konsequenter werden.

Der W140 wollte Komfort und Technik so weit treiben, wie es Anfang der 1990er-Jahre möglich war.

Und deshalb ist dieses Foto mehr als eine schöne Aufnahme von drei alten Mercedes.

Es ist eine 19-jährige Entwicklungsgeschichte auf vier Rädern.

W116, W126 und W140 bei Schlinkmann Classic

Drei S-Klassen in einer Halle zu sehen, ist bereits etwas Besonderes.

Sie direkt nebeneinander zu stellen, macht den zeitlichen Abstand erst richtig sichtbar.

Vorne der W116 – die Baureihe, die den Namen S-Klasse offiziell etablierte und mit dem ABS einen Meilenstein der Fahrzeugsicherheit setzte.

In der Mitte der W126 – die S-Klasse, die Aerodynamik, Gewichtsreduzierung und passive Sicherheit auf ein neues Niveau brachte und mit Fahrer- und später Beifahrerairbag Automobilgeschichte schrieb.

Dahinter der W140 – die Generation, in der Komfort, Elektronik und Sicherheit eine neue technische Dimension erreichten.

Drei Fahrzeuge. Drei Generationen. Eine S-Klasse.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man bei diesem Foto nicht einfach weiterscrollt.

Man sieht nicht nur drei Klassiker.

Man sieht, wie sich Automobiltechnik entwickelt hat.

Für Kenner – 10 Details, die man sich merken sollte

  1. Die Bezeichnung S-Klasse wurde im September 1972 mit dem W116 offiziell eingeführt. Ihre Wurzeln reichen bis zu den Vorgängern W108/W109 zurück.

  2. Das ABS feierte ab Herbst 1978 seine Weltpremiere als Sonderausstattung im W116.

  3. Der 300 SD, vorgestellt 1977 und ab 1978 auf dem Markt, war der weltweit erste Serien-Pkw mit Turbodieselmotor.

  4. Der W126 war der erste Mercedes-Benz Personenwagen mit verformbaren Kunststoff-Stoßfängern anstelle der traditionellen Chromstoßfänger.

  5. Der Fahrerairbag feierte 1981 im W126 seine Weltpremiere im Serienfahrzeug. Der Beifahrerairbag folgte 1988.

  6. Der W126 war eines von Bruno Saccos prägenden Designwerken und begründete eine Formensprache, die zahlreiche spätere Mercedes-Benz Baureihen beeinflusste.

  7. Der W140 brachte mit der Doppel-Isolierverglasung ein außergewöhnliches Komfortdetail in die Großserie.

  8. Mit dem 600 SE/600 SEL, später S 600, gab es im W140 ab 1991 erstmals einen V12 in einem Mercedes-Benz Serien-Pkw.

  9. ESP feierte im Mai 1995 seine Serienpremiere im S 600 Coupé der Baureihe 140.

  10. Das Entscheidende an allen drei Baureihen ist kein einzelnes Ausstattungsdetail. Es ist die Tatsache, dass die S-Klasse immer wieder als Technologieträger für Mercedes-Benz diente.

Fazit

Man muss keine S-Klasse besitzen, um zu verstehen, warum diese drei Baureihen bis heute eine solche Faszination ausüben.

Der W116 steht für den Beginn einer neuen Ära.

Der W126 perfektioniert die Verbindung aus Sicherheit, Aerodynamik und klassischer Mercedes-Eleganz.

Der W140 treibt Komfort und Technik weiter als jede S-Klasse vor ihm: mehr Elektronik, mehr Assistenzsysteme, mehr Gewicht.

W116. W126. W140.

Drei Generationen.

Drei völlig unterschiedliche Antworten.

Und gemeinsam eine der spannendsten Entwicklungsphasen in der Geschichte der Mercedes-Benz S-Klasse.

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